Hochtemperatur-Wärmepumpen für Altbauten in Österreich: Technik, Modelle und Kosten im Überblick
Altbauten in Österreich profitieren zunehmend von Hochtemperatur-Wärmepumpen, die Vorlauftemperaturen bis zu 70 °C erzeugen und so oft ohne aufwendigen Heizkörpertausch eine energetische Sanierung ermöglichen. Erfahren Sie hier mehr über die Technik, Anforderungen, passende Modelle sowie Kosten und Förderungen.
Viele Eigentümerinnen und Eigentümer von Gründerzeithäusern oder Nachkriegsbauten stehen vor der Frage, ob eine Wärmepumpe trotz alter Radiatoren und hoher Vorlauftemperaturen überhaupt sinnvoll ist. Gerade in Österreich mit seinem kalten Winterklima und vielen Bestandsgebäuden ist das Thema komplex. Hochtemperatur-Wärmepumpen versprechen hier eine Brücke zwischen alter Heiztechnik und moderner, erneuerbarer Wärmeversorgung. Der folgende Überblick erklärt, warum Altbauten besondere Anforderungen stellen, wie die Technik funktioniert, welche Modelle es gibt und mit welchen Kosten grob zu rechnen ist.
Weshalb sind Wärmepumpen in Altbauten eine besondere Herausforderung?
Weshalb sind Wärmepumpen in Altbauten eine besondere Herausforderung? Zentral ist das Zusammenspiel von Gebäudehülle, Heizflächen und benötigter Vorlauftemperatur. Viele ältere Gebäude in Österreich haben ungedämmte Außenwände, einfach verglaste Fenster oder Wärmebrücken. Dadurch ist der Heizwärmebedarf hoch. Klassische Radiatoren wurden oft so ausgelegt, dass sie mit 70–80 °C Vorlauf betrieben werden. Konventionelle Niedertemperatur-Wärmepumpen arbeiten jedoch am effizientesten bei etwa 30–45 °C, also mit Fußboden- oder Wandheizungen. Müssen sie dauerhaft sehr hohe Temperaturen liefern, sinkt die Effizienz deutlich, der Stromverbrauch steigt und die Betriebskosten können unattraktiv werden. Genau hier setzen Hochtemperatur-Wärmepumpen an.
Wie funktioniert die Hochtemperatur-Wärmepumpentechnologie?
Wie funktioniert die Hochtemperatur-Wärmepumpentechnologie im Detail? Hochtemperatur-Systeme basieren wie andere Wärmepumpen auf einem Kältekreis mit Verdichter, Verdampfer, Verflüssiger und Expansionsventil. Die Besonderheit liegt in den eingesetzten Kältemitteln, der Auslegung des Verdichters und teils in Kaskaden-Systemen. Häufig kommen natürliche Kältemittel wie R290 (Propan) zum Einsatz, die höhere Temperaturhubbereiche ermöglichen. Einige Geräte arbeiten mit zweistufigen Verdichtern oder mit zwei hintereinandergeschalteten Kältekreisen. So können Vorlauftemperaturen von 65–75 °C erreicht werden, vereinzelt auch darüber, ohne dass der Wirkungsgrad völlig einbricht. Wichtig bleibt aber: Je höher die Temperatur, desto mehr Strom wird benötigt – auch bei Hochtemperatur-Wärmepumpen.
Modelle, die sich für Altbauten besonders eignen
Welche Wärmepumpenmodelle eignen sich speziell für Altbauten? In der Praxis kommen vor allem Luft/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpen zum Einsatz, weil sie ohne Erdsonden oder Flächenkollektoren auskommen und der Platzbedarf im Freien relativ gering ist. Für sehr hohe Wärmebedarfe oder kleinere Grundstücke können auch Sole/Wasser-Systeme mit Tiefenbohrungen interessant sein, da sie von der über das Jahr relativ stabilen Erdtemperatur profitieren und im Winter oft effizienter sind. Für Altbauten werden zudem häufig bivalente oder hybride Konzepte gewählt: Die Hochtemperatur-Wärmepumpe deckt den Großteil der Heizperiode bei moderaten Außentemperaturen, ein bestehender Gas- oder Ölkessel springt nur an sehr kalten Tagen zu. So lässt sich der Einsatzbereich der Wärmepumpe optimieren, ohne alle Heizkörper tauschen zu müssen.
Welche Voraussetzungen sollten Altbauten erfüllen?
Welche Voraussetzungen sollten Altbauten erfüllen, damit eine Hochtemperatur-Wärmepumpe sinnvoll arbeiten kann? Zunächst ist ein Heizungs-Check mit Berechnung der Heizlast und Prüfung der bestehenden Radiatoren wichtig. Oft zeigt sich, dass bei moderater Dämmung und etwas größeren Heizkörpern bereits Vorlauftemperaturen von 55–60 °C ausreichen. Jede Reduktion der notwendigen Vorlauftemperatur verbessert die Effizienz. Sinnvoll sind Maßnahmen wie neue Fenster, oberste Geschoßdeckendämmung oder eine Dämmung der Kellerdecke. Ebenfalls wichtig: ausreichend elektrische Anschlussleistung, Platz für Außengerät, Hydraulik und eventuell Pufferspeicher sowie eine sorgfältige Schallplanung, besonders in dicht bebauten Wohngebieten. Ohne solche Vorbereitungen kann selbst eine moderne Hochtemperatur-Wärmepumpe ihre Vorteile nur eingeschränkt ausspielen.
Was kosten Hochtemperatur-Wärmepumpen in Österreich?
Was kosten Hochtemperatur-Wärmepumpen in Österreich ungefähr? Die Kosten hängen stark von Gebäudegröße, Systemart (Luft/Wasser oder Sole/Wasser), notwendiger Heizleistung, Umfang von Umbauten im Heizsystem und regionalen Arbeitslöhnen ab. Für typische Ein- oder Zweifamilienhäuser im Altbaubestand bewegen sich die Investitionen für eine Luft/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpe inklusive Montage, Hydraulik, Regelung und Demontage des alten Kessels häufig im Bereich von rund 25.000 bis 45.000 Euro brutto. Bei Sole/Wasser-Systemen mit Tiefenbohrung können, je nach Bodenverhältnissen und Bohrtiefe, auch 30.000 bis 55.000 Euro erreicht oder überschritten werden. Die reinen Gerätepreise liegen spürbar darunter, wie ein Blick auf ausgewählte am Markt erhältliche Modelle zeigt.
| Product/Service | Provider | Cost Estimation |
|---|---|---|
| Luft/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpe 15 kW (Gerät, ohne Installation) | Viessmann Vitocal 250-AH | ca. 9.000–13.000 € |
| Luft/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpe 12 kW (Gerät, ohne Installation) | Vaillant aroTHERM plus VWL 125/6 A | ca. 8.000–12.000 € |
| Luft/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpe 14 kW (Gerät, ohne Installation) | Hoval Belaria pro | ca. 9.500–13.500 € |
| Luft/Wasser-Wärmepumpe mit bis zu 75 °C Vorlauf (Gerät, ohne Installation) | Ochsner Air Hawk 518 | ca. 10.000–15.000 € |
Prices, rates, or cost estimates mentioned in this article are based on the latest available information but may change over time. Independent research is advised before making financial decisions.
Die genannten Gerätekosten verstehen sich als grobe Marktbandbreiten für den österreichischen Fachhandel und können je nach Leistungsgröße, Ausstattung, Herstelleraktionen und Lieferbedingungen deutlich abweichen. Für eine vollständige Anlage müssen zusätzlich Planung, Installation, eventuelle Anpassungen an Heizkörpern und Leitungen, Hydraulikkomponenten sowie elektrische Arbeiten berücksichtigt werden. Förderungen von Bund und Bundesländern können die effektiven Investitionskosten senken, unterscheiden sich aber je nach Region und Zeitpunkt. Neben den Anschaffungskosten sollten Eigentümer:innen auch die zu erwartenden Stromkosten, Wartungsaufwände und die Lebensdauer der Anlage in ihre Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbeziehen.
Am Ende hängt die Eignung einer Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau in Österreich immer von der Gesamtsituation des Gebäudes ab: energetischer Zustand, vorhandene Heizflächen, Platzverhältnisse und Stromanschluss sind ebenso entscheidend wie das individuelle Nutzungsverhalten. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme, realistische Erwartungen an Vorlauftemperaturen und Effizienz sowie ein Vergleich verschiedener Gerätekonzepte helfen, eine tragfähige Lösung zu finden. Wo sich die erforderliche Vorlauftemperatur senken lässt und Rahmenbedingungen passen, können Hochtemperatur-Wärmepumpen einen wichtigen Beitrag leisten, um bestehende Gebäude schrittweise auf eine erneuerbare Wärmeversorgung umzustellen.