Krankenversicherung: Die passende Franchise in der Schweiz wählen
Die Wahl der Franchise in der Krankenversicherung beeinflusst die monatlichen Prämien und die eigenen Kosten im Krankheitsfall in der Schweiz. Wer die Franchisestufen vergleicht, berücksichtigt Gesundheitsbedarf, finanzielle Reserven und das persönliche Risikoprofil. So lässt sich eine Lösung finden, die zu den eigenen Bedürfnissen und zur erwarteten Nutzung der medizinischen Leistungen passt.
Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und sollte nicht als medizinischer Rat betrachtet werden. Bitte konsultieren Sie eine qualifizierte medizinische Fachkraft für eine individuelle Beratung und Behandlung.
Das schweizerische Gesundheitssystem verlangt von allen Einwohnern eine Grundversicherung, lässt aber bei der Festlegung der Kostenbeteiligung beträchtlichen Spielraum. Das System basiert auf zwei zentralen Pfeilern: der festen Jahresfranchise und dem prozentualen Selbstbehalt. Wer das Zusammenspiel dieser Komponenten durchschaut, kann die jährlichen Gesamtausgaben für die medizinische Grundversorgung gezielt steuern und an die eigenen finanziellen Möglichkeiten anpassen.
Franchise und Selbstbehalt richtig verstehen
Die Franchise ist der Betrag, den erwachsene Versicherte pro Kalenderjahr selbst an Behandlungskosten übernehmen müssen, bevor die Kasse überhaupt Rechnungen vergütet. Gesetzlich vorgeschrieben ist für Erwachsene eine Grundstufe von mindestens dreihundert Franken pro Jahr. Wer bereit ist, im Krankheitsfall einen höheren Betrag aus der eigenen Tasche zu zahlen, kann die Franchise in mehreren Stufen bis maximal zweitausendfünfhundert Franken anheben. Als Gegenleistung gewähren die Kassen einen prozentualen Nachlass auf die monatliche Grundprämie.
Sobald die gewählte Franchise durch anerkannte Arztrechnungen, Therapien oder Medikamente aufgebraucht ist, greift der gesetzliche Selbstbehalt. Dieser beträgt standardmässig zehn Prozent auf alle weiteren Leistungen, bis die gesetzliche Obergrenze von siebenhundert Franken im Kalenderjahr erreicht ist. Erst danach übernimmt die Krankenkasse alle Pflichtleistungen vollständig. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahr haben andere Staffelungen und zahlen in der Regel keine Standardfranchise.
Passende Franchise nach Gesundheitsbedarf wählen
Bei der Festlegung der Stufe spielt der erwartete Bedarf an medizinischen Leistungen eine entscheidende Rolle. Personen, die regelmässig auf ärztliche Kontrollen, therapeutische Begleitungen oder kostspielige Medikamente angewiesen sind, fahren mit der Minimalfranchise von dreihundert Franken fast immer günstiger. Zwar fällt die monatliche Prämie höher aus, doch die Rechnungen werden bereits nach Erreichen des niedrigen Sockelbetrags anteilig übernommen.
Für gesunde Personen ohne bekannte Vorerkrankungen bietet sich die Maximalfranchise von zweitausendfünfhundert Franken an. Der damit verbundene Rabatt auf die Monatsprämie kann sich auf über tausend Franken pro Jahr belaufen. Wer selten zum Arzt geht und vor allem präventive Vorsorge betreibt, profitiert direkt von den niedrigeren Fixkosten jeden Monat. Zwischenstufen wie fünfhundert oder eintausendfünfhundert Franken lohnen sich rechnerisch nur in sehr seltenen Grenzfällen und werden von Finanzexperten meist nicht empfohlen.
Kosten und Risiko im Blick behalten
Eine hohe Franchise birgt immer ein gewisses finanzielles Risiko, das im Ernstfall sofort tragbar sein muss. Tritt eine plötzliche Erkrankung oder ein Unfall ein, der nicht über den Arbeitgeber gedeckt ist, werden auf einen Schlag bis zu dreitausendzweihundert Franken fällig. Dieser Maximalbetrag setzt sich aus der Franchise von zweitausendfünfhundert Franken und dem maximalen Selbstbehalt von siebenhundert Franken zusammen. Wer dieses Modell wählt, sollte den entsprechenden Betrag jederzeit liquide auf einem separaten Sparkonto verfügbar haben.
Um die wirtschaftlich sinnvollste Entscheidung zu treffen, empfiehlt sich ein genauer Blick auf die Schwellenwerte. Liegen die jährlichen medizinischen Kosten voraussichtlich unter zweitausend Franken, ist die höchste Franchise meistens vorteilhaft. Rechnen Versicherte jedoch mit Kosten von mehr als dreitausend Franken im Jahr, lohnt sich der Wechsel auf die tiefste Stufe. Der Bereich dazwischen gilt als versicherungstechnische Grauzone, in der das Risiko bei der höchsten Franchise tendenziell überwiegt.
Vergleich der Franchise-Stufen in der Schweiz
Die verschiedenen Kassen bieten standardisierte Wahlfranchisen für Erwachsene an, wobei die Prämienrabatte gesetzlich nach oben gedeckelt sind.
| Franchise-Stufe | Typischer Jahresrabatt | Empfohlenes Profil |
| Grundstufe 300 CHF | 0 CHF Referenz | Chronisch Kranke oder häufige Arztbesuche |
| Stufe 500 CHF | ca. 120 CHF | Selten wirtschaftlich sinnvoll |
| Stufe 1000 CHF | ca. 420 CHF | Statistisch meist unrentabel |
| Stufe 1500 CHF | ca. 720 CHF | Kompromissmodell mit geringem Vorteil |
| Stufe 2000 CHF | ca. 1020 CHF | Kaum gewählte Zwischenstufe |
| Maximalstufe 2500 CHF | bis zu 1540 CHF | Gesunde Personen mit solidem Notfallpolster |
Die in diesem Artikel genannten Preise, Tarife oder Kostenschätzungen basieren auf den neuesten verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Vor finanziellen Entscheidungen wird eine unabhängige Recherche empfohlen.
Der Wechsel der Franchise ist jedes Jahr zum Beginn des neuen Kalenderjahres möglich. Die Kassen müssen eine entsprechende Mitteilung bis spätestens Ende November erhalten, wenn eine Herabsetzung gewünscht wird. Eine Erhöhung kann bei den meisten Anbietern noch bis Mitte Dezember beantragt werden. Eine jährliche Überprüfung des eigenen Gesundheitszustands und der finanziellen Reserven stellt sicher, dass man stets im passenden Modell versichert bleibt.